21. März.2015 - 03. Mai. 2015

ERIC MASSHOLDER :  "MONTE VERITÀ"

Paintings



 

ERIC MASSHOLDER

MONTE VERITÀ

Paintings

 

GALERIE Z22

Eröffnung: Samstag, 21. März 2015


Veranstaltung: Montag, 20. April 2015, 20 Uhr : Filmscreening "FREAK OUT"

 

Als Monte Verità wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Westen von Ascona ein Hügel  benannt, der bis heute in seiner klassischen Form als eine der bedeutendsten Wiegen der Alternativbewegungen gilt.

„Gemeinsam gehen sie auf dem in "Berg der Wahrheit" umbenannten Hügel ans Werk. In Reformkleidern und mit langen Haaren verrichten sie harte Garten und Feldarbeit, errichten schlichte Hütten, entspannen sich mit Eurythmie und Nacktbaden, leben nahe den Elementen Licht, Luft Wasser, Sonne, ernähren sich unter Vermeidung aller tierischen Nahrung nur von Pflanzen, Gemüsen und Früchten. Sie verehren die Natur, predigen ihre Reinheit und interpretieren sie symbolisch im Sinne des romantischen Gesamtkunstwerks. Ihre angestrebte Gesellschaftsform, die kooperativen Systeme, Frauenemanzipation, Gewissensehe, neue Erziehungsformen, die Einheit von Seele-Geist—Körper in gelebte "Wahrheit“ umsetzen will, ist am besten als privat-besitzfreie urchristlich-kommunistische Gemeinde zu umschreiben.“ [1]

Die Gründung dieser alternativen Lebensgemeinschaft zielte zum einen auf eine vegetabile Kooperative ab, die in Form einer wirtschaftlich rentablen Heilanstalt, eine Veränderung der Welt durch die Veränderung des eigenen Lebens hervorrufen sollte. Zum anderen sollte sie eine Liebeskommune - Freistatt für Aussteiger – sein. Die Ablehnung der bürgerlichen Welt, als kleinster gemeinsamer Nenner, reichte als Basis für die heterogenen Ideale, Motive und Werte der Gemeinschaft jedoch nicht aus und führte zu Spannungen und Konflikten an denen sie letztendlich scheiterte.

Eric Massholder beschäftigt sich in seinem neuen Zyklus Monte Verità sowohl mit dem Motiv des „Wahrheitsberges“, als auch mit der Methodik der Naturheilsanstalt. In einem, sich selbst auferlegten Rhythmus von kreativer Arbeit und rudimentären menschlichen Bedürfnissen, hebelte er, auf eine gewisse Art und Weise, Tag und Nacht aus den Angeln. Über einen Zeitraum von sechs Monaten aß er wenig, erholte sich in kurzen Schlafpausen und arbeitete Tag wie Nacht. Als Basis seines kreativen Schaffens dienten ihm naturalistische Bergmotive – der Berg als Reinform. Daraus entwickelten sich bergartige Formen mit skurrilen Gestalten. „Was wird mir mein Monte Verità zeigen?“ fragte sich Eric Massholder und forschte in seinem kreativen Schaffen nach  Gefühlen wie, Gefahr, Einsamkeit, Glück sowie Verzweiflung. Fünf Motive führten ihn letztendlich auf seiner Reise zum Monte Veritàs und zu seinem aktuellen Zyklus.

Den Einstieg oder Aufstieg in seine Werkphase machen abstrakte Bergformen gepaart mit skurrilen Gestalten in Form von Bergsteigern  mit Stab oder Chimären. Die zum Teil fiktiven Mischwesen mit menschlich anmutenden Körpern und tierischen Köpfen erklimmen in leuchtenden Farben den zu bezwingenden Berg, wohingegen die mit Bergsteigern assoziierten Wesen in dunkler Farbe und Miniaturform den Gipfel längst erklommen zu haben scheinen. Bereits in dieser frühen Werkphase finden sich in den bergartigen Gebilden anthropomorphe Züge, die farblich aus dem Gestein heraus leuchten.

Ein weiteres Motiv ist der überdimensionale Bauch einer Schwangeren in Form eines Berges.  

Auf abstrakten weiblichen Kurven sitzen Tiere, wie zum Beispiel ein Hase der im mariologischen Zusammenhang im Sinne seiner Fruchtbarkeitssymbolik zu verstehen ist, oder unter den Lastern die Unkeuschheit vertritt. Eric Massholder stellt sich zusätzlich die Frage, ob nicht wir das Kind dieses schwangeren „Berges“ sind?

 Eine reduzierte Variante des Bergs als Schwangere, ist der Berg als weiblicher Akt, auf den sich ein von der Leine gelöster Hund stürzt und sein Miniaturherrchen hinter sich her zieht. Generell spielen männliche Figuren in Massholders Arbeiten eine minimalistische Rolle, vergleicht man sie mit den üppigen Formen des weiblichen Körpers.

Die weibliche Brust als Berg sowie das männliche Geschlecht in Form eines Phallus sind weitere Bergassoziationen auf Massholders Reise zu seinem Monte Verità.

Einer Reise die am „Titanic Mountain“ endet. Auf der Spitze von kopfstehenden „Eishörnchen“ befinden sich erneut die skurrilen Gestalten, die bereits zu Beginn die Bergformen erklommen haben. Vor einem abstrakten Hintergrund scheinen sie auf dem schmelzenden Eisberg ihre Rettung gefunden zu haben.

 

 

 

 

 

 

 



[1] Harald Szeemann: Monte Verità „Der Ort an dem unsere Stirn den Himmel