U n t e r w e g s – On the road -

 

Fotografien von Johannes Neuhann in der Galerie Z22

 

28.03.-02.05.2020

 

 

Das Schöne ist da, wo ihr es findet“ - diese Abwandlung eines Zitats von Marcel Duchamp, trifft den Kern meiner künstlerischen Tätigkeit. Unterwegs - der Titel der Ausstellung in der Galerie Z22, der die beiden ausgestellten Fotoserien verbindet, drückt ein wesentliches Merkmal meiner Arbeitsweise aus.

 

Unterwegs auf den Wegen und Straßen ist das neugierige Auge das wichtigste Werkzeug. Beim Gehen, Radfahren oder unterwegs mit dem Auto werden Objekte auf ihre ästhetische Brauchbarkeit untersucht, um dann mit der Kamera endgültig fixiert zu werden.. Zeichen in der Umgebung, wie die temporären gelben Markierungsstreifen, werden unabhängig von ihrer Bedeutung und ihrer Funktion im Straßenverkehr als potentielle Elemente einer Bildkomposition erkannt, ausgewählt, fotografiert und später nur unwesentlich bearbeitet.

 

Die von mir entdeckten Fundstücke weisen eine Formenvielfalt auf, die kein Mensch je erfinden könnte: tanzende Linien, strenge geometrische Konstruktionen, verwitterte und rissige Markierungen, Überlagerungen von Kreuzen und Pfeilen, die neue eigenständige „Kompositionen“ ergeben.

 

Durch die Isolierung aus dem gewohnten Zusammenhang und die Präsentation in anderer Umgebung, zum Beispiel an der Wand einer Galerie, wird die Aufmerksamkeit des Betrachters auf unbeachtete Phänomene unseres städtischen Alltags gelenkt. Die ihrer ursprünglichen Zeichenhaftigkeit und Funktion entkleideten Objekte werden zu Elementen einer neuen Bildsprache.

 

Ähnliches gilt für die Fotografien der Serie „Aqua stanca“, die auf langen Spaziergängen über Jahre in Venedig entstanden sind. Diese Fotografien sind abstrakte Bilder, die durchaus malerische Qualitäten haben. Durch die Ausschnitthaftigkeit der Fotos entsteht eine Abstrahierung mit differenzierter, starker Farbigkeit, die nur entfernt durch das Wasser in der unteren Bildhälfte auf den Ort der Entstehung verweist.

 Bei der Serie „Das Gelb liegt auf der Straße“ gelingt es manchmal auch, durch Wetter und Straßenverkehr „bearbeitete“ Markierungsstreifen aufzusammeln und sie in Bitumenlack eingebettet als Assemblagen zu präsentieren.

 

Für die Ausstellungsbesucher eine Anregung, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen!