11.  november  -  23.  dezember  2017

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tête à tête



MANFRED FISCHER

 

 "Ich male Köpfe: Köpfe, denen ich mich mal sehr nahe fühle, mal weniger nahe fühle. Manche haben Ähnlichkeit mit mir, manche nicht."

 

Köpfe stehen im Werk von Manfred Fischer im Vordergrund, Köpfe die sich aus einem Wirrwarr von Flecken, Linien, Rinnsälen von Farben bilden.

 

Manfred Fischer geht es um den Menschen und setzt auf den Kopf, weil hier Erkennen und Fühlen am engsten beieinander liegen.

 

So sind seine Abbildungen nicht naturalistisch, sondern Ausdruck von inneren Befindlichkeiten.

 

Mit gestischen Pinselstrichen und einer kräftigen, oft in Blau, Rot oder Schwarz vorherrschenden Farbgebung,  übermalt er und legt gleichzeitig frei.

 

Spontane Expression mischt sich mit dem Figurativen, mit der Darstellung des Kopfs.

 

Das Ergebnis ist auch nicht glasklar, es hat ja auch so vieles Platz in einem Kopf.  Seine Portraits changieren zwischen Verhüllung und Enthüllung. Die eher unscharfen Konterfeis umgibt  eine  geheimnisvolle Aura und werden zu Zeugnissen geistiger und emotionaler Zustände, die in eine Zeitlosigkeit  überführt werden.

 

 

TATJANA LEE

 

Die halbkoreanische Künstlerin Tatjana Lee legt den Fokus auf die Identität.

 

 Das Studium der Humanmedizin offenbarte ihr die Veränderungen der äußeren Identität des menschlichen Körpers in Krankheit, und Tod.

 

Es verschaffte ihr Wissen über die Physiologie und Psychologie des Menschen und warf die Frage auf inwieweit inneres „Sein“ und äußerliche Identität interagieren und sich gegenseitig beeinflussen.

 

 Am stärksten bewegt Sie  jedoch, dass sie in der Rolle als Mutter von drei Kindern Zeuge und Begleiter der Entwicklung einer individuellen Identität wird.

 

 Sie wählt das Gesicht als zentrales Thema ihrer Kunst, da es vielleicht der zentrale Bestandteil der Identität eines Menschen ist. Es ist ein essentielles Medium um sich des eigenen „Ichs“ bewusst zu werden und es nach außen zu transportieren. Es kann als die materielle Manifestation der inneren Identität gesehen werden.

 

 Ein durch dieses Medium, der Erscheinung des Gesichts,  übermittelte Zusammenspiel unserer äußerlichen und innerlichen „Identität“, wirkt bewusst und unterbewusst auf unsere Mitmenschen, wird von Ihnen gespiegelt und zurückgeworfen. So nimmt es wiederum Einfluss auf unsere Identität, unser Streben nach Individualität und Dazugehörigkeit. Unsere Mimik ermöglicht eine unterbewusste, unverfälschbare Kommunikation über Kulturen ja sogar Arten von Lebewesen hinweg, der man sich nicht entziehen kann.

 

In ihren Bildern löst sie die Erscheinung der Gesichter auf, mal mehr, mal weniger. Der Betrachter wird herausgefordert fehlende oder deformierte Teile des Gesichts zu interpretieren und zu ergänzen. Er wird zum Schöpfer einer eigenen Identität, die auf seiner momentanen Gefühlswelt beruht.

 

 Ihr Ziel ist, dem Betrachter verborgene Facetten seiner eigenen inneren Identität bewusst zu machen und durch diese Bewusstwerdung eine positive Weiterentwicklung anzustoßen.

 

 

ERIC MASSHOLDER

 

Eric Massholders gesamtes Ouevre ist nur als fortwährender schöpferischer Prozess zu verstehen. So ist auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Kopf kongruent zu diesem Konzept, denn auch ein Gesicht verändert sich unentwegt.

 

Für Eric Massholder ist der Kopf in erster Linie das Gefäß für unser Gehirn, der zentrale Ort unseres Denkens, unseres Fühlens, unseres Wesens. Er verortet den Kopf ins Kosmische und unter dieser Annahme transzendiert er den Kopf aus den Weiten des menschlichen Vorstellungsvermögens in eine andere Dimension. Er analysiert, seziert und fragmentiert die Darstellungsmöglichkeiten eines Kopfes und setzt ihn nach einer Reise durch Massholders grenzenlose spirituellen Welten wieder neu zusammen.

 

Massholder lebt und arbeitet in einem permanenten Zustand zwischen Euphorie (schöpferischer Prozess) und Depression (Produkt).

 

Seine Köpfe sind Produkte seiner Psyche, die vom Betrachter angeschaut und selbst gefühlt werden sollen.

 

Massholder verwehrt sich jeglicher intellektuellen Vereinnahmung seines Schaffens und dem Wettbewerb von Künstlern im digitalen Zeitalter um Fanclubs und Instagram-Postings, um ihre Werke zu verbreiten. Ohne je eine Mail geschrieben zu haben und mobil erreichbar zu sein, geht es ihm alleine um das Schaffen, um die Malerei.

 

Und wenn John Ford sagte: „Ein Auto ist erst fertig, wenn es verkauft ist“, befindet Massholder: „Ein Bild ist erst fertig, wenn es zerstört ist.“

 

Mit dieser radikalen Aussage macht er deutlich, dass er eine Tradition der Malerei fortführt, deren Zeit abgelaufen ist. Er erklärt:“Man muss sich dem Fortschritt beugen, um daran zugrunde zu gehen.“