Wir könnten alle Kunstwerke von Pietro Finelli als einen kognitiven Prozess definieren,
nämlich als etwas, das durch die Iteration zwischen dem Exponenten (dem Künstler), dem Exponierten (dem Kunstwerk) und dem Empfänger (demjenigen, der weiß) entsteht.
In diesem dynamischen Dreiklang geht die Betonung von der Iteration zwischen Exponent und Umwelt (durch das Kunstwerk) zu der zwischen Exponent und seinem Prozess, der zur Realisierung eines solchen Kunstwerks führt.
Dies führt zu einer Verschiebung der Begriffe des Verstehens. Wir gehen von dem, was wir für unsere Neigung halten, zu einer Gewissheit über, in der unsere Überzeugungen uns ständig dazu bringen, zu glauben, dass die Dinge rein so sind, wie wir sie sehen, ohne jede Alternative. Diese neue Perspektive drängt uns, das Wissen nicht als eine Darstellung der "Welt da draußen" zu begreifen, sondern als eine permanente Produktion einer Welt durch den Prozess des Lebens selbst.
Finelli erweitert durch die in dieser Ausstellung präsentierten Kunstwerke (wie Gemälde, Zeichnungen, Fotos, Videos) mit ihren kinematographischen Referenzen den Prozess des Verstehens, von der vermeintlichen Darstellbarkeit, die das Kino anzudeuten scheint, bis zur Produktion eines Flusses, der stattdessen die Konstruktion der Welt bestimmt.
Der Titel der Ausstellung Up Till Now ist einem Treatment für einen nicht realisierten Film des Noir-Schriftstellers David Loeb Goodis (1917 -1967) entnommen, und es sind auch die Titel von vier neuen Videos, die Finelli für diese Ausstellung gemacht hat, zusammen mit einigen fotografischen Skizzen gleichen Titels und unveröffentlicht. Es sind Referenzen zu Filmen wie Cornered, 1945, USA, Regie Edward Dmytryk, The Asphalt Jungle, 1950, Regie John Huston, Detour, 1945, USA, Regie Edgar G. Ulmer, The Pushover, 1954, Regie Richard Quine. Die Werke in der Ausstellung beziehen sich auf die Problematik des Sehens, auf die Verschränkung von Sichtbarkeit und Geheimnis, zwischen der verlorenen und der akzeptierten Individualität. Finelli interessiert sich für das klassische Noir-Bindeglied , das die Beziehung zwischen Sehen und Blindheit, Licht und Dunkelheit vertieft.